Ulysses (Staatstheater Kassel, 2026) | Regie & Live-Kamera: Bert Zander | Bühne & Kostüm: Lene Schwind, Louis Vincent Platzer
Funktion: Theatermusik & Sound Design

Angelehnt an die Irrfahrten des griechischen Helden Odysseus erzählt James Joyce in seinem Roman Ulysses von den Ereignissen eines einzigen Tages – dem 16. Juni 1904 – in Dublin. Die Inszenierung von Bert Zander überträgt diese Struktur in die Gegenwart.




Ich habe ‘Ulysses’ zu Ende gelesen und halte es für einen Fehlschlag. Genialität hat es meiner Meinung nach; aber von minderwertiger Art. Das Buch ist ausschweifend. Es ist brüchig. Es ist prätentiös. Es ist unkultiviert, nicht nur im offensichtlichen Sinne, sondern auch im literarischen Sinne.

Virginia Woolf

Zur gleichen Zeit gibt es aber auch grenzenlose Begeisterung. Die Buchhändlerin Sylvia Beach erkennt das Potenzial dieses Textes und setzt alles daran, ihn zu veröffentlichen. Ihr Bedürfnis Ulysses und die Geschichte des Anzeigen-Akquisiteurs Leopold Bloom in die Pariser Öffentlichkeit zu bringen, nachdem er in den USA per Gerichtsbeschluss verboten wurde, überwindet alle Widerstände. Diese Widerstände empfindet sie im Gegenteil als notwendig angesichts des Stoffes.

Und dann gibt es die, die Brücken bauen. Leser:innen, die sich festbeißen, Strukturen sichtbar machen, Begeisterung weitergeben. Wie Ralf Schlüter, der auf seiner Website jedes Kapitel von Ulysses auseinandernimmt, mit der Odyssee abgleicht und Zugänge eröffnet. Bei ihm tauchen sie immer wieder auf, die großen Motive: Heimatverlust, Identitätssuche, die Sehnsucht nach Familie. Themen, die den Text durchziehen – und die auch uns begegnet sind. Die Freude beginnt, wenn man tatsächlich Zusammenhänge zu verstehen erahnt.

Und trotzdem: Da ist auch Widerstand. Ermüdung. Ablehnung. Ein Gefühl, sich im Text zu verlieren. Ein Gefühl, das wir gut kennen – und in dem wir uns seltsam bestätigt fühlten, als wir das Gedicht von Matt Cook gelesen haben.

Zwischen Faszination und Abwehr, zwischen Hingabe und Überforderung bewegt sich auch unsere eigene Annäherung. Ein Abend über Ulysses. Aber auch über die Odyssee – und über uns als Theatermachende heute. Eine Annäherung und eine Abstoßung zur gleichen Zeit. Und ein großes Videoexperiment.

James Joyce
Er war dumm
Er wusste nicht so viel wie ich
Lieber würfe ich mit leeren Batterien auf Kühe
Als ihn zu lesen
Alles war prima

Matt Cook

Der Trailer ist, genau wie die Regie dieses Live-Kamera Theaterabends ein Werk von Bert Zander.
Auf der Website des Staatstheaters Kassel gibt es ein
digitales Programmheft, aus dem die o.g. Texte stammen. Dort steht auch die gesamte Besetzung des Stückes und das Team, für dessen Aufzählung hier leider der Platz fehlt. Außerdem gibt es dort weitere tolle Fotos, die, genau wie die Fotos auf dieser Website hier, von Isabel Machado Rios geschossen wurden.

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